Ich will Steirische Harmonika lernen, welches Instrument sollte ich mir zulegen? - ein Ratgeber

Stefan Edler
Stefan Edler

Harmonikaerzeugung Strasser GmbH

http://www.harmonika.com

Mein Name ist Stefan Edler, ich bin 22 Jahre alt und komme aus Frauental in der wunderschönen Süd-Weststeiermark. Nach Abschluss meiner Matura in der Handelsakademie Deutschlandsberg bin ich seit November 2018 beruflich bei der Harmonikaerzeugung Strasser tätig und seit 2019 bin ich für die Verkaufsleitung zuständig. Was qualifiziert mich als Experten für dieses Thema? Nun ja. Selbst spiele ich seit über 10 Jahren bereits die Steirische Harmonika, daher verfüge ich über einiges an Erfahrung auf diesem Instrument. Weiters sind wir bei der Firma Strasser sehr bedacht auf ausführliche und ehrliche Kundenberatung, damit jede Kundin oder jeder Kunde stehts zufrieden mit ihrer bzw. seiner Strasser Harmonika ist.

Steirische Harmonika ist in vor allem in Österreich und in Bayern seit Jahren ein sehr gefragtes Musikinstrument und sowohl bei jungen als auch bei älteren Musikern gleichermaßen beliebt. Es gibt viele verschiedene Instrumente, unterschiedliche Stimmungen und Bauformen. Unser Experte erklärt uns, welches Instrument für wen geeignet ist.

Für junge Musikschüler im Alter zwischen 5 und 12 Jahren würde ich auf jeden Fall eine 3-reihige Harmonika empfehlen, da diese kleiner und leichter sind und somit das Spiel für die kleinsten Harmonikavirtuosen einfacher wird. Grundsätzlich gilt jedoch, sobald man die nötige Körpergröße für eine 4-reihige Harmonika hat, kann man diese auch spielen. Das heißt auch wenn mein Kind erst 10 Jahre alt ist, jedoch bereits groß gewachsen, kann man überlegen ob nicht sofort eine 4-reihige besser wäre. Am besten sollte man sich von einem Fachmann beraten lassen, welcher sofort erkennen müsste, ob eine 3-reihige Harmonika notwendig ist oder ob man schon eine 4-reihige spielen kann. Warum sollte man also eine 4-reihige Harmonika spielen? Man hat ganz einfach gesagt mehr Möglichkeiten, da man eine Reihe / Tonart mehr zur Verfügung hat. Es gibt jedoch auch viele Harmonikaspieler, welche ihr Leben lang auf einer 3-reihigen spielen. Als Fazit zu diesem Punkt: Eine 4-reihige bietet mehr Möglichkeiten (z. B. größere Liederauswahl), während die 3-reihige Harmonika kleiner, leichter und handlicher ist. Einfach ausprobieren und für sich die beste Lösung finden.

Die häufigsten Stimmungen sind G-C-F-B bzw. G-C-F (3-reihige Harmonikas) oder B-Es-As-Des bzw. B-Es-As. Wenn man also eine der beiden Stimmungen hat, kann man schon mal nicht so verkehrt liegen. G-C-F-B bzw. G-C-F ist die tiefere der beiden Stimmungen und eignet sich gut für Gesang. Saiten- und Blasmusikinstrumente tun sich bei dieser Stimmung auch relativ leicht für die Begleitmusik. Der größte Vorteil bei G-C-F-B ist jedoch die Häufigkeit am Markt. Mit Abstand die meisten Harmonikaspieler haben eine G-C-F-B und somit findet man schnell Musiker zum Mitmusizieren. B-Es-As-Des bzw. B-Es-As ist die zweithäufigste Stimmung am Markt und ist etwas höher als G-C-F-B. B-Es-As-Des eignet sich sehr gut für Blasmusikbegleitung und „Tanzlmusi“. Hier sind alle erhältlichen Stimmungen (geordnet von tief zu hoch) mit kurzen Stichwörtern dazu: F-B-Es-As: tiefste Stimmung | warmer Klang | gut geeignet für Bläser Verbreitung: eher selten Fis-H-E-A: zweittiefste Stimmung Verbreitung: sehr selten G-C-F-B: mittelhohe Stimmung | gut geeignet für Gesang, Saiteninstrumente und Bläser Verbreitung: sehr häufig Gis-Cis-Fis-H: mittelhohe Stimmung | gut geeignet für Gesang | schöne Solostimmung | bei Bläsern oft unbeliebt Verbreitung: eher selten A-D-G-C: eher hohe Stimmung | gut geeignet für Streicher | für Bläser schwierig Verbreitung: relativ häufig B-Es-As-Des: hohe Stimmung | sehr gut geeignet für Bläser und „Tanzlmusi“ | durchdringender Klang Verbreitung: sehr häufig H-E-A-D: sehr hohe Stimmung Verbreitung: sehr selten C-F-B-Es: sehr hohe Stimmung | sehr gut geeignet für „Tanzlmusi“ | durch die Höhe möglicherweise in den höheren Lagen (4. Reihe) unangenehm Verbreitung: eher selten

Wir im Hause Strasser unterscheiden drei verschieden Qualitätsstufen bei den Stimmen. Diese wären Dural Export, Tipo a mano und A mano Nastrino. Der Hauptunterschied der dreien liegt in der Verarbeitung der Stimmplatten und der Stimmzungen. Während die Dural Export Stimmen maschinell produziert werden, werden die Tipo a mano und A mano Nastrino Stimmen von Hand hergestellt. Daher kommt auch der Name A mano (von Hand). Beim Spielen unterscheiden sich die verschiedenen Qualitäten durch die Ansprache der Stimmzungen – wie viel Druck muss ich mit dem Balg aufbauen damit alle Stimmzungen schwingen – und durch den Luftverbrauch – wie viel Luft wird für einen bestimmten Teil des Stückes benötigt. Desto höher die Qualitätsstufe der Stimmen, desto genauer ist die Stimmzunge in die Stimmplatte eingepasst, damit der Abstand zwischen Stimmzunge und Stimmplatte so gering wie möglich ist und die Stimmzunge das Maximum an Luftstrom abbekommt. Jedoch werden die Stimmsätze mit zunehmender Qualitätsstufe auch schwerer. Auch klanglich unterscheiden sich die verschiedenen Qualitäten. Während die Dural Export Stimme eher schriller klingt sind die Tipo a mano und A mano Nastrino Stimmen eher weicher und brillanter. Grundsätzlich empfiehlt sich die Dural Export Stimme für den Einsteiger und Hobbymusiker. Tipo a mano und A mano Nastrino Stimmen empfehlen sich für den ambitionierten Hobbymusiker und den Harmonikaprofi. Am besten die verschiedenen Stimmsätze ausprobieren und den Unterschied versuchen zu „erfühlen“ und zu „erhören“.

Zu der letzten Frage könnte man fast einen Roman schreiben, da es hier so viel zu erklären gibt. Aber ich versuche mich so kurz wie möglich zu halten. Zuerst zum X-Bass. Der X-Bass gekoppelt ist ein zusätzlicher Bassdrücker auf der äußeren Bassreihe, welcher mit dem obersten Bassdrücker auf der inneren Bassreihe gekoppelt wird. Das heißt mit dem X-Bass kann man den Wechselbass für die erste Reihe ganz gleich spielen wie für die zweite, dritte und vierte Reihe. Der X-Bass ist also sozusagen eine Spielerleichterung im Bassteil. Beim X und H-Bass entkoppelt kommt ein zusätzlicher Bassdrücker auf der äußeren Bassreihe hinzu wie beim X-Bass gekoppelt. Jedoch wird dieser nicht mit dem ersten Bassdrücker auf der inneren Bassreihe gekoppelt, sondern ist entkoppelt. Außerdem wird eine zusätzliche Basskammer in den Bassteil eingebaut, welche nun mit dem ersten Bassdrücker der inneren Bassreihe angesteuert wird. Man kann damit also z. B. die Bassläufe in der ersten Reihe ganz gleich spielen wie in der zweiten und dritten Reihe und bedingt in der vierten Reihe. Der X und H-Bass entkoppelt ist also eine Spielerweiterung im Bassteil. Das Michlbauer-System besteht aus diesem X und H-Bass entkoppelt und zwei Mollbässen auf Zug. Diese zwei Mollbässe sind für manche Stücke zwingend notwendig, da sich das Lied sonst falsch anhören würde. Mollbässe bedeutet, dass auf der inneren Bassreihe zwei Bässe und zwei Begleitungen in einem Mollakkord klingen und nicht standardmäßig in Dur. Das Michlbauer-System ist genau für die Michlbauer-Harmonikaschule konzipiert, d. h., wenn ich nach Michlbauer lerne bzw. Michlbauer Noten habe empfiehlt es sich auch ein Basssystem nach Michlbauer in der Harmonika zu haben. Auch viele andere Lehrer haben das gleiche System wie die Michlbauer-Harmonikaschule. Bei den verschiedensten Systemen gilt es jedoch am besten auf seinen Lehrer zu hören, da dieser den Unterricht genau auf sein bevorzugtes System aufbaut. Sollte man keinen Lehrer haben kann man sich auch beim Fachmann beraten lassen, was die Unterschiede der verschiedenen Systeme sind und welche Systeme es überhaupt gibt. Als kleinen überblick findet man auf unserer Website unter folgendem Link eine kleine Auswahl an verschiedenen Basssystemen und Diskantbelegungen: https://www.harmonika.com/de/lieferbare-tonarten Nun zum Schluss noch zur Schwebung. Die Schwebung oder auch Tremolo genannt ist das „Schweben“ des Tones, welches durch die Zusammenstimmung der drei bzw. zwei Stimmzungen pro Ton / Taste (2 bzw. 3-chörig) entsteht. Pro Ton bzw. Taste hat man einen Grundton und einen bzw. zwei Schwebungstöne. Bei den Schwebungstönen wird einer höher als der Grundton gestimmt und einer tiefer. Sozusagen verstimmt man diese Töne. Durch diese minimale Verstimmung entsteht die Schwebung, diese nehmen wir als auf und ab bewegen des Tones war. Desto weiter die Stimmzungen auseinander gestimmt werden, desto kräftiger oder auch „schreiender“ wird der Klang. Wenn man die Stimmzungen weiter zueinander stimmt wird der Klang bzw. die Schwebung flacher. Eine flache Schwebung empfiehlt sich eher für die echte Volksmusik und Stubenmusik. Eine kräftigere Schwebung passt besser zur Unterhaltungsmusik, außerdem ist man mit einer normalen Schwebung mit Sicherheit am vielseitigsten. Wir unterscheiden die Schwebungen von kräftig zu flach folgendermaßen: „stark“, „normal“, „dezent“, „wenig“ und „trocken“. Dies ist jedoch von Hersteller zu Hersteller verschieden, deshalb empfehlen wir die verschiedenen Schwebungen, wenn möglich, direkt vor Ort zu testen und zu hören. Unter dem oben bereits genannten Link sind auch kurze Hörbeispiele zu den verschiedenen Schwebungen, welche allerdings nur zum groben Vergleich dienen und auf keinen Fall als Entscheidungshilfe dienen sollen. Auch in Punkto Schwebung empfiehlt es sich mit einem Fachmann zu sprechen und sich vor Ort beraten zu lassen. Ich hoffe, ich konnte die Fragen so gut wie möglich beantworten. Wir von der Harmonikaerzeugung Strasser würden uns auf jeden Fall über euren Besuch bei uns in Seiersberg freuen. Viel Gesundheit und musikalische Grüße aus der schönen Steiermark. Stefan Edler

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